Auswärts: Spieltag Nr. 10 SC Paderborn – FC St. Pauli (1 -1)

Ein kleines Vorspiel zum Fussballspiel.
Unser Wochenende fing mit einem aktuellen Bericht zur Menschenrechtslage in Süd-Mexico, organisiert von der Gruppe B.A.S.T.A, in der Baracke zu Münster an. Einige aus unserer Gruppe haben auch schon mal eine sehr kurze Zeit in Chiapas Mexiko verbracht, wo 1994 der Aufstand der EZLN begann. Die Bewegung richtet sich gegen das NAFTA-Abkommen, dem Freihandelsabkommen zwischen Canada USA und Mexiko – welches sehr zu Lasten der Landbevölkerung in Mexiko gehen würde und sprach sich für viel mehr aus: ein würdiges Leben, Demokratie, Gerechtigkeit, Land und Freiheit.
Nach eine Phase des offenen Konfliktes, befindet sich die Regierung der weil immer noch in einem „war of low intention“ gegen die Zapatistas, die ihrerseits die Waffen ruhen ließen, d.h. 2/3 des mexikanischen Militärs befindet sich im Bundesstaat Chiapas zur Kontrolle und Repression, der Staat unterstützt para-militärische Einheiten, welche Übergriffe auf die Zapatistas durchführen oder verfolgt die Straftaten zumindest nicht. Daher befinden sich seit 1998 durchgängig internationale Menschenrechtsbeobachter*innen in den Gemeinden auf Wunsch der Zapatistas und berichten über die Situation und wir können uns von euch nur wünschen sich darüber mal schlau‘ zu machen:
chiapas98
Menschenrechtsbeobachtung CAREA.

… doch Fussball ist immer noch wichtig!
Am Samstag fing dann aber das Fussball-Wochenende an und gemeinsam mit einigen Mafiosi besuchten wir ein Spiel des SC Preußen Münster. Diese Empfingen Offenbach an der Hammer Str. in Münster. Ein sehr spannendes Spiel, wo Offenbach nur mit Glück 1 Punkt nach Hause holen konnte, durch einen Hand-Elfmeter in den letzten Minuten. Überragende Leistung zeigte mal wieder Münsters Matthew Taylor, der die 2 Tore für Münster erzielte (Endstand also: 2 – 2). Ähnlich gute Leistungen zeigten die Deviants im Block M des Preußenstadions. Eine Neuerung zu unserem letzten Besuch im Preußenstadion waren die Stoffbahnen in schwarz-weiss-grün, die den Ultrà-Block umrandeten und optisch echt was hermachten. Sonst ging die Gruppe auch gut ab und es waren viele Doppelhalter und Fahnen im Einsatz zu ziemlich fetzigen Liedern. Auch das Schnippsel Intro wusste mich zu begeistern und auf der Page findet sich ein Blockfoto wo die Stelle der Deviants mit grünen Schnippseln markiert ist und der Rest der Kurve eben nicht, das macht es deutlich, wer hier Stimmung macht. Stilmässig echt ne gute Vorstellung von den Damen und Herren.

Es fährt ein Zug nach Nirgendwo.
Sonntag stand dann Paderborn im Termin-Kalender. Es ist jetzt nicht mein Lieblingsgegner, aber heimlich freute ich mich schon sehr auf das Spiel. Auch wenn wir kleine Probleme mit dem „Absprung“ hatten. So hatte die Münsteraner Fahrgemeinschaft die Mafiosi in Münster verpasst, da das Wochenend-Ticket sich verspätet und Düsseldorf hatte wohl den Absprung von NeussNow-Festival (oder war es: No!se-Now) rechtzeitig verpasst und somit auch den Zug.
Gäb‘ es nicht die güt‘gen Frauen und Männer vom Team-Green mit dem modischen „Bielefeld“-Patches, hätte sich unsere Gruppe wohlmöglich niemals mehr wieder gefunden in den unendlichen Weiten des Paderborner platten Landes, da sie aber so schlau und vorrausschauend planten, blockierten sie uns am Bahnhof einfach den Weg, so dass man zwangsläufig zusammen finden musste.
So Spass an der Stelle dann aber mal wieder aus!

Sehr geehrte Damen und Herren der Bundespolizei, sowie der Einsatzhunderschaft.

Die polizeilichen Maßnahmen am Bahnhof waren doch mal wirklich ein Griff ins Klo, oder? Wenn ihr mehrere Personen am Bahnhof zwischen Gleis und Parkplatz fercht und warten lasst, so dürftet ihr euch nicht wundern, dass das Bedürfnis aufkommt die Toilette besuchen zu wollen. Wenn dann auf jenem Gleis ein Zug parkt, der ja in der Regel über eine Toilette verfügt, könnte man davon ausgehen, dass diese auch frequentiert wird. Besonders für Anhängerinnen des FC St. Pauli ist es nämlich besonders unschön die Notdurft zwischen euch und Müllcontainern verrichten zu müssen. Das aggressive Auftreten: Leute aus dem Zug zu ziehen, die Umstehenden anzuschreien und mit Anzeigen wegen „Behinderungen des Bahnverkehrs“ (sorry, da habt ihr euch im Paragraphen vergriffen) zu drohen, vor allem wenn diese an Deeskalation interessiert sind ist nicht erklärbar!
Vor allem wenn die Pannen auf eure schlechte Koordinierung zurück zuführen sind. Die Hundertschaft, die einen aus dem Zug holt und meint man könnte im Bahnhof auf’s Klo, während die Bundespolizei dieses Anliegen quittiert mit: man dürfte nicht in den Bahnhof, weil man in den Bus einsteigen soll und einem auch vom Gleis scheucht und ihrerseits das restliche dreckige Dutzend der Hundertschaft auf dem Parkplatz einen dann nicht vorbei lässt, weil sie es einfach mal nicht will. Dann habt ihr ein Absprache- und Koordinierungsproblem und wir den Ärger, über diese Scheisse und letztendlich auch mit euch.
Aber erschreckenderweise zeigt sich kein Lerneffekt im Umgang mit Fans auf eurer Seite. Der Durchgang zum Bus wurde künstlich von euch so verkleinert, dass es zu Menschengruppen auf engstem Raum kommen musste, die nicht sehen konnten was vorne passiert – bzw. selbst wenn sie etwas hätten sehen können, vorne ist ja nichts passiert, ihr habt einfach eure Arbeit nicht gemacht. Der Polizei-Trupp Bielefeld hat augenscheinlich den Ausflug nach Paderborn bei der Praktikumsausschreibung der BRAVO gewonnen, Kriterium war wohl „Ordnung“ mit weniger als 4 Fehlern buchstabieren zu können – somit noch mal herzlichen Glückwunsch an die Gewinner*innen den grünen Sakos.
Dass es in solchen Gruppen zu Unruhe kommt ist vorprogrammiert, vor allem wenn es eine Stunde von Anpfiff ist, dass nicht mehr passiert ist, verdankt ihr nicht zuletzt (und das wollt ihr sicherlich nicht hören und glauben) dem besonnen Auftreten der Anhänger*innen des FC St. Pauli, die nämlich auf sich aufpassen, die merken was abgeht und sich selber reflektieren und wissen was in welchen Situationen angemessen ist und sich eben nicht auf Teufel komm‘ raus rangeln müssen. Selbst wenn ihr die Menschen darin auch noch auf das Übelste provoziert, niemand von uns hat Lust eine Ansage von allergrößtem Schwachsinn zu ertragen, niemand von uns muss diese dann mit Höflichkeit honorieren (da müsst ihr auch mal durch) und ihr habt zu keiner Zeit das Recht gegenüber jmd. körperlich zu werden, in dem ihr mit dem Finger im Gesicht ‚rum stochert, drängt, festhaltet oder euch sonst wie als die „tough guys and girls“ profiliert!
Was wir von euch erleben ist allerletztes Niveau, statt über die Schickanen ernsthaft nachzudenken, dass ihr eine Fanszene wie St. Pauli eben nicht in 2er Grüppchen durch Gitter abfertigen könnt, dass ihr die Schuld den Fans zu schustert, dass ihr aggressiv und grenzüberschreitend reagiert. Bestenfalls können wir nur über euch lachen, wenn dann zum Beispiel der Kollege in Grün meint „Das ist alles euer Ultra-Führer schuld“ wenn wir an den Gittern vorbei wollen um vor Spielanpfiff unseren magischen FC zu supporten, „könnt ihr alles im Internet finden, google das mal“ – echt lächerlich!
Es schleicht sich die Angst ein, ihr werdet es nie verstehen und nicht mal den Unmut, der sich darüber breit macht. Beim Schreiben kam mir auch die Worte des Fanladen-Hoschi im Film „das ganze Stadion“ in den Sinn. Durch eure hermetische Abtrennung von St. Pauli Fans zu anderen Fans, dem Verbot den Bahnhof bzw. diesen kleinen Parkplatz zu verlassen, tragt ihr erheblich dazu bei, dass sich zwischen Fangruppen Rivalitäten konstruieren, das eine Auswärtsfahrt unentspannt wirkt und ihr konstruiert eine kontrafaktische Gefahrenzone. Hier wird eben durch das Sicherheitskonzept der Polizei, ein Sicherheitsproblem erstellt.

Aber auch nochmal an die Fans des FC St. Pauli. Wenn ihr noch auf dem Gleis steht bringt es nichts die Leute die vor dem Bus stehen zu bepöbeln, oder denen die Schuld für die Schickane anzuhängen. Wir besteigen den Bus, wann wir das wollen und wir warten auf Freund*innen, wenn wir von der Polizei willkürlich getrennt worden sind. Die Entscheidung wann in den Bus gegangen wird, wird von uns gefällt und nicht nicht von der Polizei. Diese ist es, die durch ihrer regiden Kontrollen die Gruppen trennt und es somit zu Verzögerungen kommt, diese ist es die unseren Weg ins Stadion beschränkt und somit uns alle in Zeitnot bringt. Es waren genügend PaderSprinter vorort, man hätte letztlich alle vor fahren können und die Fans des FCSP einsteigen lassen können, statt da irgendwelche polizeilichen Verteilungsaktionen zu starten. Wie Einzelpersonen (oder Gruppen) ins Stadionkommen wollen und wann ist ihre Sache – das wir von der Polizei gehindert werden ist unerträglich!
Die Foderung kann nur heissen: Bullen vor die Pflugscharen!
So kam es, dass wir quasi Forum-Bespassung hatten, ohne online gehen zu müssen und ein wunderbares Dreier-Team hören durfte, die wohl gemeinsam mit 53 verschiedenen Nicks im Forum ihre Meinung zum Besten geben. Von „das sind die Ultras wegen wir hier jetzt warten müssen“ bis zu den absurditäten wo Ultras wann was verstecken und warum darum die Polizei so gründlich sein muss.
Das es ein Team „Niveau-Limbo FC St. Pauli“ gibt und das die Heute am Bahnhof in Paderborn Auswärtsspiel gegen die Bild-Zeitung hatten war mir neu und ist bedauerlich – wir werden das auf der JHV mal ansprechen.
Dicker Respekt geht an die Menschen von Ultrà Sankt Pauli, die sich durch solche Stimmen nicht beirren lassen und immer wieder versuchten zu schlichten und zu erklären. Erfolgreiche 10 Jahre geben euch recht und wir freuen uns auf jedes Spiel mit euch!

Naja soviel dazu und ich fürchte Fussball wird jetzt doch etwas zu kurz kommen.
SC Paderborn – FC St. Pauli ( 1 – 1; Ginczek, Naki – Eigentor)
Aber nachdem man in dem wunderschönen Pader-Bauhaus angekommen ist (15 Minuten vor Anpfiff!!!), haben wir uns erstmal in die Kurve gestellt.Da uns Antifaschismus eine Herzensangelegenheit ist, ist der Siamo Tutti Doppelhalter „Herz an Herz Antifa e St. Pauli“ natürlich mit ‚rein gekommen – wir scheißen auf eure Verbote!
Dass das zweit heisseste Spiel des Jahres Paderborn wird, hätte wohl keine*r vermutet- bis die Birne langsam auf hartgekochtes Ei-Niveau gebrützelt war. Somit wurde meine negativ Erinnerung von Paderborn bei Minus 20 Grad immerhin getilgt. In der Kurve war die Stimmung wirklich ganz gut fand‘ ich diesmal. Was auch an der wirklich beachtlichen Leistung unserer Boys in Brown gelegen haben durfte. Die haben wirklich gut Pfeffer gegeben und einiges raus geholt, was mich den Auftritt in Regensburg fast vergessen ließ. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, bester Auftritt bis jetzt in dieser Saison. Wirklich da war viel zu sehen, was ich vermisst hatte: kämpferisches Auftreten, Mut und Engagement. In den ersten 20 Minuten wurde auch einiges an Chancen frei gespielt und auch sonst war der magische FC große Strecken des Spieles überragend. Und wie die Kurve abging als der Knoten endlich platzte und Ginczek den Führungstreffer erzielte. Gänsehaut und alle Siamos hingen sich in den Armen. In der 59. Minute wurde dann der verhinderte St. Paulianer Naki eingewechselt, begleitet von einem euphorischen Block des FCSP. So wurden spontan Lieder auf den Mann mit dem falschen Trikot gesungen, leider konnten sich einige nicht durchsetzten wie: „ich liebe dich, ich träum‘ von dir, in meinen Träumen bist du Hansa-Rostock-Besieger – doch wenn ich aufwach‘, fällts mir wieder ein, spielst ganz woanders in Paderborn“ oder: „Bring back, oh bring back, oh bring back naki to me to me“. Auch die Forderung „Eigentor“ wurde lauthals von der Kurve vorgetragen und dann 71. Minute Deniz Naki knipst Tschauner ab und da wars, das „Eigentor“ im doppelten Sinne. Einerseits sicher nicht einfach für Naki gegen seinen Ex-Club die Budde zu machen und andererseits waren viele davon nicht überrascht aber geschockt, dass wir unverdient wieder mit einem Punkt nach Hause geschickt werden. Aber (und vielleicht bin ich da zu sehr Optimist) bin ich zufrieden, die Mannschaft hat echt alles aus sich rausgeholt und hat einen schönen Fussball gespielt und es war viel zurückgekehrt vom Spirit Sankt Pauli.
Dickes Loooooooser geht nochmal raus an Paderborn, so ein scheiss Saglik auszupfeifen – Bauern an die Pflugscharen sag‘ ich da mal!
Natürlich hat uns ein Punkt nicht aus dem Tabellenkeller geholfen, aber emotional war das auf alle Fälle Aufstieg! Einzig schade fand‘ ich, dass die Spieler nicht nochmal zum Block gekommen sind, zaghaft zeigte sich zwar Bene, Käpt‘n-Kalla und Tschauner – aber da hätte ich eigentlich mehr erwartet als zaghaft Winken von Mittelkreis Höhe. Das Frontzeck auch noch kurz in Richtung Block kam fand ich ne nette Geste, da geht aber auch mehr. Naki holte sich noch Geschenke am Block ab und den obligatorischen Applaus und es war auch schön. Zwar hat der uns 2 Punkte gemopst, aber das wir so aufrichtig sein können, zeigt die Größe der Anhänger*innen des FC St. Pauli.
Hoffentlich hat Naki sich in der Kabine vertan und findet sich Morgen in het elftal vom FCSP wieder.

Der PaderSprinter ist eine weitere Pader-Zumutung wie PaderBoring als solches und die Frage die an diesem Tag unbeantwortet blieb war: „Warum wurde Paderborn eigentlich wieder aufgebaut?“.

Ein dickes Danke geht an:
Die Reisegruppe der Sankt Pauli Mafia für die Begleitung am Samstag und sonst noch alles!
Die gemeinsame Anreise mit Wilder Westen.
Danke auch an Ultrà Sankt Pauli
Träume Leben! Deviants!

und als Abschluss ein kleines Schmankerl aus der Trickkiste!


7 Antworten auf „Auswärts: Spieltag Nr. 10 SC Paderborn – FC St. Pauli (1 -1)“


  1. 1 igore 22. Oktober 2012 um 15:13 Uhr

    Bauern? Paderboring (ich lach mich weg)? „Warum wurde Paderborn eigentlich wieder aufgebaut?“
    naja…….

  2. 2 pauliane 23. Oktober 2012 um 9:38 Uhr

    „Hier wird eben durch das Sicherheitskonzept der Polizei, ein Sicherheitsproblem erstellt.“
    Genau dieser Satz fasst es zusammen was bei fast allen Fussballspielen zur Zeit passiert.
    Und mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass das reine Absicht ist damit man Montags wieder was von „eine neue Dimension der Gewalt“ schreiben kann.
    Danke an alle die so besonnen waren auf dieses Spiel nicht einzusteigen…

  1. 1 "Ohne Naki habt ihr keine Chance" | St. Pauli *NUSt. Pauli *NU Pingback am 22. Oktober 2012 um 12:48 Uhr
  2. 2 #FCSP und Naki – eine Liebe und ein Unentschieden. Ohne Sicherheit. « KleinerTods FC St. Pauli Blog Pingback am 22. Oktober 2012 um 13:13 Uhr
  3. 3 6 Stunden, 3 Spiele, 2x St.Pauli, 2x hsv – 5 Tore gefallen, 2 gesehen – 5 Punkte! | Übersteiger-Blog Pingback am 22. Oktober 2012 um 13:36 Uhr
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