Die gewaltige Waffe der Kritik.

Sicherheit als Anti-Politik
Die Kunde vom DFL-Paper zum Entwurf eines „sicheren Stadionerlebnis“ ist sicher schon in der Fanszene kursiert.
Mit der populistischen Forderung der Aussöhnung aller Fussballfans und Ultras gegen Gewalt, bedeutet dieses Konzept doch nur herbe Einschnitte in die Fanszenen und die Fankultur.
Selbst Pseudo-wissenschaftliche Erkenntnisse und feuilletonistische Ankerennung, das Gewalt nicht einfach wie Regen vom Himmel fällt, finden keinerlei Beachtung – somit kann man auch vergeblich nach einem Lichtblick in dem Paper suchen, welches zumindest den Wunsch erkennen ließe über die bestehenden Verhältnisse hinauszuweisen in denen Gewalt zum Problem wird. Es ist eben doch nur eine image- und marktorientierte Befriedungsstrategie auf Kosten kritischer Fanszenen.
Es geht um ein mehr an Verboten und Sanktionen und ein weniger der Kritik und kritischen Auseinandersetzung. Einschnitte in demokratische Grundrechte, wie das der freien Meinungsäußerungen, sollen durch die Konstruktion von „Fussball als Privatevent“ einiger Funktionsträger*innen und willigen Besucher*innen gewährleistet werden.
Nur so lassen sich Choreos, wie jene Glücksradchoreo von USP beim Spiel gegen Union, als Beleidigung diffamieren – in dem sie das Stadion zum Privatraum von DFL und DFB deklarieren und selbst hinter die Statuten des bürgerlichen Rechts zurückfallen.
Ebenso sollen politische Äußerungen verunmöglicht werden und bestenfalls auf ein selbstbestättigende Events, wie: „Rote Karte gegen Fremdenhasse“ beschränkt bleiben. Aktivierung von unten, basisdemokratisch, soll somit aus den Stadien gedrängt werden und Fussballinteressierte haben nur der Humba von DFL und DFB zu folgen. Gerade als Anhänger*innen des FC Sankt Pauli gehen uns solche Entwickelungen was an, wir sollten uns unsere politischen Statements nicht dirigieren lassen und weiterhin auf den Ausbau eigener Strukturen gegen die extreme Rechte drängen, aber natürlich auch gegen staatlichen Rassismus, Sexismus, Homophobie und soziale Ungleichheiten. Wir appelieren dabei weder an einen starken Staat, noch eine andere Institution als unsere selbst.

Die DFL und der DFB profitieren dabei vom medial Diskurs um und über Gewalt im Rahmen vom Event Fussball, nur durch die Aufladung der öffentliche Atmosphäre werden solche Vorgaben diskutierbar. Schade dass non-established Sankt Pauli da mit mischt. Über die Gewalt beim Oktoberfest wird bei weitem nicht so herzhaft schwadroniert. Nun ist es an uns, sich mit dem Thema auseinanderzusetzten und Strategien zu entwickeln um jene Entwickelungen, die die Vereinnahmung der Fankurven als kulturindustrielles Event fordern, zurück zu drängen.

Da die Zeit zum aktiv werden gegen diese Auswüchse gering ist, schlagen wir die folgenden beiden Texte als „Pflichtlektüre“ vor:
MagischerFCDFL contra Rechtsstaat.
Lichterkarusell - Nix Sicherheit – it’s Vermarktung, stupid.