Archiv für September 2012

Auswärts: Spieltag Nr. 6 FSV Frankfurt – FC St. Pauli (2 – 1)

FSV Frankfurt – FC St. Pauli (2 – 1)
6. Spieltag: Freitag 21. September 2012

Auch bei dieser Fahrt hatte Siamo Tutti ein gutes Kontigent an Fahrer*innen gefunden, wovon einige die Anreise nach Mainz schon am / oder einige Tage vorher wagten! Das Entertainmentprogramm war jedenfalls Oskar-reif, also für alle cineast*innen: es gibt kaum eine bessere Unterhaltung, als „die Braut des Prinzen“ (Grammy-Preisträger für „Beste Filmmusik“ – von Mark Knopfler und Oskar-nominiert für „Bester Titelsong“ – unverständlicherweise nicht bekommen, es finden sich auch mehrer Schauspielerhighlights im Cast, so entdeckt man neben Columbo auch den jungen Schauspieler von „wunderbare Jahre“ und selbst wenn man die nicht kennt, bleibt der Film großartig!).
Nicht zuletzt wurde Mainz gewählt, um die Möglichkeit zu haben mit „les sans goûts“ den Regionalexpress (bzw. S-Bahn) gen Stadion zu wählen. Außer einer Autobesatzung aus Münster, die den Weg durch den Stau wählen wollte. Die Stimmung im Zug war wirklich grandious, auch wenn man den Eindruck gewinnen konnte hier wäre eher eine Krankenstation als Sankt Paulianer*innen unterwegs gewesen, mit „Tuberkulose heyhey, Tuberkulose oho, Tuberkulose heyhey – du schönes TBC“ und „Heute knallen wir uns zu mit Kamillentea, Tonneweise Grippostad C für Sankt Paulianer, heckto-literweise Erkältungsbad – für eine Wanne völlig ausser Kontrolle“ bzw. dem Höhepunkt „Tröpfcheninfektion, Tröpfcheninfektion, Tröpfcheniiiiiiiiinfektion“, sollten den eigentlichen Plan klar machen bei USP den gelben Krankenschein abzugeben und sich wieder hinzulegen.
Aber nicht doch, im Stadion packte uns der magische FC dann wieder und wir gaben alles und darüber hinaus. Die Stimmung war fand ich diesmal echt groß, auch wenn es gefühlt fünf Personen weiter Rechts neben uns einfach Tod gewesen ist, ab und an mal ein „Sankt Pauli“ – sonst schläft da alles, oder wie? Das Spiel fand ich überzeugend, es fehlte dennoch immer wieder am letzten Biss und der tatsächlichen Torgefährlichkeit. Ginczek hatte zum Teil Chancen wo wir uns an den Kopf griffen, dass die dann doch daneben geben – aber er hat einen super Einsatz gezeigt, finde ich und immer wieder sich Bälle erkämpft und sich engagiert! Das wir Punktlos zurückgeschickt worden war Bitter, vor allem wenn man die temporäre Überlegenheit unseres Teams betrachtet. So was ist ärgerlich und ich hätte nicht gern in der Haut unserer Nummer 10 Buchtmann gesteckt, nachdem er von Tschauner angepflaumt wurde, da er beim 2 – 1 eine echt schlechte Figur am langen Pfosten gemacht hat. Aber gepatzt – na gut, kann halt passieren!
Aufgeregt habe ich mich viel mehr über die „Unparteiischen“, ich bin mir ja sicherlich bewusst, dass man als Anhänger*in einer konkreten Mannschaft ja nicht grad als objektive*r Urteilsfäller*in bekannt ist, aber da waren deutliche Patzer in der Bewertung von Foulspielen seitens des FSV.
Auch in Frankfurt wurde nochmal gegen die Domwache mobilisiert und das schon aus Köln bekannte Banner „Museum – Nix Domwache“ wurde noch akustisch untermalt! Passend zu Frankfurt hatte unsere Gruppe auch erstmals eine Zaunfahne dabei, wir entfremden in der Stadt die auch als Namensgeberin für eine sozial-philosophische Denkrichtung gilt (die frankfurter Schule) ein Adorno-Zitat mit „es gibt kein richtiges SV im falschen“ (richtig: „es gibt kein richtiges Leben im Falschen“). Darunter „siamo tutti diffidati“. (Siehe Fotos – und es wird bald eine Erläuterung zu den Doppelhaltern geben). Dazu passte auch, dass einer der Verbannten beim heutigen Spiel in den Block zurückkehren durfte und abermals auf die unerträgliche Situation einiger St. Paulianer hingewiesen hat, die aus nicht nachvollziehbaren Gründen, die Spiele des magischen FC vor dem Stadion verbringen müssen, statt mit ihren Gruppen und ihrem Team auf den Rängen!
Unschön bleibt an diesem Spieltag nur homophobe und sexistische Beleidigungen aus einem Block des FC Sankt Pauli und die Reaktion dieser Idiot*innen auf Ansagen. Wer meint Spieler und andere Besucher*innen sexistisch und/ oder homophob (bzw. auch rassistisch, antisemitisch) zu beleidigen hat in der Fanszene des FC Sankt Pauli nichts zu suchen, wenn man darauf angesprochen beleidigt reagiert und versucht nachzusetzten mit Sachen wie „bei euch darf man dann ja gar nichts mehr sagen“, darf sich sehr gerne verpissen! Wir verzichten liebend gern auf solche Personen im Block und solche Leute wollen wir überhaupt kein Event oder Podium bieten. Wer pöbeln will, kann das in einem bestimmten Rahmen gerne tun, schreit „Klappspaten“, „Kanarienvogel“, „such‘ dir ein bezahltes Praktikum“ oder zeigt dem Schiri gerne den Fuck off-Finger – aber darüber hinaus geht nichts und wir werden das auch nie akzeptieren und hinnehmen!
Als Spielfazit bleibt für uns: ein wirklich guter Support und größtenteils echt fette Stimmung, eine unverdiente Niederlage zu verdauen und die Vorfreude auf die nächsten Spiele.
Vom Stadion ging es sehr entspannt, danksei wenig Cops und keinen lästigen Pseudo-Rivalitäten gen Mainz zurück. Denn „les sans goûts“ hatten uns noch zu einer kleinen Geburtstags-Party eingeladen, daher für die Leute die sich über die Ballons im Block wunderten, die wurden aufgepustet für eine Geburtstagsfeierei von „les sans goûts“!
Vorher aber noch eine Falafel beim weltbesten Falafel-Laden in Frankfurt und dann ab ins Pub nach Mainz und in super guter Kneipenatmo den Geburtstag und les sans gouts feiern.
Nach einer viel zulangen Nacht ging es dann auch ins Bett und der Hausarzt wird sich über die Krankschreibungen bis Mittwoch sicher freuen!

an kann es nicht oft genug erwähnen!

Die Verbannten mit uns!

Und herzlichen Dank und bis bald „les sans goûts“ und herzlichen Glückwunsch an die Geschmacklose!

Auswärts: Spieltag Nr. 5 Köln

17. Sept. 2012 1. FC Köln – FC St. Pauli (0 – 0)
Montag – 20.15h

Siamo Tutti unterstützte den Aufruf der aktiven Fanszene des FC St. Pauli und war selbstverständlich und gerne bei der Kranzniederlegung für die (vom NS-Regime verfolgten) Edelweisspirat*innen anwesend. Und so startete auch für unsere Gruppe der Spieltag in Köln auf dem Weg zu der Veranstaltung, deren Höhepunkt der Bericht und Aufruf von Getrud „Mucki“ Koch (88), einer ehemaligen Edelweisspiratin aus Köln, gewesen ist.
Zuvor gab es einen sehr guten Redebeitrag von Sven Brux über die Präsenz von neonazistischem Gedankengut und extrem rechten Positionen in all ihrer Coleur, im und um das Stadion. Die Schlussfolgerung, dass jede*r dazu verpflichtet ist gegen diese Positionen wann immer, wo immer und wie auch immer sich zu Wehr zu setzen können wir nur teilen. Getrud „Mucki“ Koch wusste dann auch am Ende zu begeistern, indem sie alte Edelweisspirat*innen-Lieder mit Freund*innen und einigen Angereisten (mittels verteilten Lied-booklets) darbot.
Auch wir waren zumindest minimal vorbereitet und unsere Gruppe hat nach dem Abschluss der Veranstaltung noch Blumen an der Gedenktafel für die Edelweisspirat*innen niederlegen können. Und so kann hier nur noch einmal unterstrichen werden, den vom Nazi-Regime Verfolgten und Ermordeten ein würdiges Andenken zu bieten und jederzeit rechte Tendenzen zurück zu drängen, damit sich so etwas wie die Shoah nie wiederholen kann.

Es war sicherlich schön viele Fans des FC Sankt Pauli und des 1. FC Köln bei der Veranstaltung zu sehen und die vielen Interessent*innen (von Fan- über Antifa-Szene und darüber hinaus) und für uns ist das auch ein Zeichen, dass der magische FC und sein Umfeld sehr viele Dinge richtig angeht.

Nach einem kurzem shake-hands und einem erstmal nur kurzen wiedersehen mit „les sans goûts“ ging es dann für den ersten, schon recht großen, Teil unserer Gruppe mit dem ÖPNV gen Stadion. In der Glasflaschenbannmeile des Kölner Müngersdorfer-Stadion trafen wir dann auch auf USP, die in Polizei-Begleitung gen Stadion schlenderten.
Wir warteten noch kurz vor dem Gästebereich auf die letzten, die auf die Tickets von Siamo Tutti gebucht waren und wollten uns dann auf die Suche nach guten Plätzen machen. Großartig fand ich schonmal, dass wir diesmal eine ordentliche Hausnummer waren – fast alle Siamo Tutti FC St. Pauli Mitglieder waren dabei, so finde ich das Klasse, so wünsch ich mir das!
Am Eingang dann ordentlich Stress mit den sch*#§§ Security-Deppen. Nachdem diese uns das Material zur seperaten Untersuchung abnahmen, drückten sie die Sachen unbedacht fast einer x-beliebigen Person in die Hand; top alles verstanden!
Dann wurde eine Person unserer Gruppe noch von den Securities weggeführt, ohne dass die anderen Gruppenmitglieder eine Möglichkeit hatten da zu intervenieren, noch wissend wohin die spontane Reise ging. Daher ging ein Teil von Siamo Tutti auf die Tribüne und machte Plätze klar, der Rest versuchte irgendwie Kontakt zu der Person zu bekommen. Kurz vor Knapp – circa 10 Min. vor Spielbeginn, kam der verloren-geglaubte Siamo Tutti zurück auf seinen Platz. Als Grund für die separate Untersuchung galt die von ihm mitgebrachte Jungle World und das Transparent Magazin. Diese musste er nach einer gründlicheren Untersuchung außerhalb des Stadions abgeben, da diese als gefährliche Gegenstände eingestuft wurden – nicht dass der Inhalt irgendwie als Staats- und Stadiongefährdend eingestuft worden ist, die das Fundament von Müngersdorf und Deutschland ins Wanken hätten bringen wollen. Nein, die Behauptung der Hilfscheriffs in den modischen Regenjacken war, es hätte der Verdacht bestanden, die Person hätte damit ein Feuer im Block legen können. Naja was die Kölner Securi-Dienstleister*innen sich alles denken, die kennen Aufklärung wohl tatsächlich nur aus der Bravo!
Vor dem Spielbeginn durften wir dann noch einmal schön abkotzen: nicht nur weil mal wieder Montag der Ball und der Rubel rollen soll, sondern weil die B-Mannschaft der Kölner-Karnevals-Funkemarriechen darlegen sollten, wo der gemeine Kölner (in diesem Fall ist tatsächlich das ausschließliche Maskulinum gemeint) die Rolle der Frau beim Fussball zu sehen scheint. Zum Glück sehen viele das im Block genauso und quittierten dies auf Sankt Pauli Manier mit „das hat mit Fuss, das hat mit Ball, das hat mit Fussball nichts zu tun“!
Das Spiel hatte ein ganz gutes Tempo und unsere Elftaal schaffte es gar einige Zeit zu dominieren, allerdings ist es nicht zuletzt Tschauner zu verdanken, dass der Kasten sauber blieb über die vollen 90 Min. – wirklich eine Glanzleistung und ein hervorragender Keeper! Auch die Leistungen von Kalla und anderen St. Paulianern wussten zu überzeugen, allerdings machten die Kölner auch ordentlich Druck und unterbrachen zum Teil recht ruppig das Spiel des magischen FC. Wenn selbst ein gestandener und der einzig gute Cop, Boll, dann mal aussetzen muss, will das schon was heißen!
Alles in Allem reicht 1 Punkt beiden Mannschaften nicht, sich in sicherere Gefilde der Tabelle zu bringen – aber in der Not frisst der Auswärts-Teufel auch 1-Punkt-Fliegen.
Schön war auch zu sehen, dass es unsere Doppelhalter den Weg auf die Page von dem Fanclub Breitseite (Siehe Bilder-Menü) gefunden haben – unsere Absage an die Polizeiwache konnten wir somit im Stadion und im World-Wide-Web deutlich machen! Dies war auch eine kleine Choreo zu Beginn der 2. Hälfte „Museum – Nix Wache!“ ist die Losung!
Die Aktion „rote Karte gegen Gewalt“ der Kölner*innen bewerte ich mit der abgedroschenen Floskel „mehr Schein als Sein“ und mehr muss man dazu auch nicht sagen, da diese Aktion sich auf einem ähnlich floskelhaften Niveau bewegt.
Nach dem Spiel machte sich das Material schon mal mit auf dem Weg nach Mainz und befand sich in der Bahn in bester Begleitung, denn dies war auch das erklärte Ziel von den sympathischen Damen und Herren von „les sans goûts“, die mit dem schlechtesten Kreuzworträtsel der Welt die Fahrzeit immerhin gefühlt verkürzten!

Einen besonderen Dank möchten wir an dieser Stelle noch einmal Gertrud „Mucki“ Koch aussprechen für ihr Engagement gegen rechte Umtriebe und für die Veranstaltung offen gewesen zu sein und natürlich an alle Organisator*innen!!!

Et une Merci du fond du coeur a les sans goûts!

Dank an den Fanclub Breitseite „Best Kutten in town“ für die Fotos!
Besten Dank auch an unsere Besucher*innen

… außer Boll!

Siamo tutti für Museum statt Polizeiwache!

Die Windungen um die Etablierung einer Polizeiwache tragen immer seltsamere Blüten, die Rede ist von mehr Sicherheit, Pflicht aufgrund von DFB-Vorgaben (wobei dort kein Quadratmeterzahl festgehalten wird) und nun auch die Polizei als zuverlässige Mietpartei.
Dass dieses Bild von der Vereinsführung von der Polizei skizziert wird ist erschreckend, zwar lässt sich durchaus vorstellen, dass die Polizei Zahlungskräftig ist, da sie (hier verlassen wir mal zum Spass die Sachlichkeit) ja bereits einiges an Einnahmen vorweisen kann, wenn die Strafbefehle (z.B. wegen Schweinske-Cup) erst einmal gezahlt sind. Dies geht aber dann zu Kosten (des Vertrauens) der Fans und Unterstützer*innen vom FC St. Pauli und der Geschichte dieses einmaligen Vereins.
Ganz davon zu schweigen, das sich die vermeintlichen Freund*innen und Helfer*innen von Team Green bereits viel zuhäufig in der Rolle der „Spielverderber*innen“ befanden, ob nun das Derby in Mordor, oder Schweinske-Cup, wir haben Bullen-präsenz gehörlich satt!
Das somit ein geplantes Museum verdrängt wird ist leider nur die Spitze des Eisberges, die Organisation unabhängiger Strukturen der Fanszene wird damit nachhaltig erschwert, wenn nicht gar behindert werden.
Daher bezieht als Gruppen, Einzelpersonen, Vereine und Unternehmen klare Position gegen diesen Trend – es findet sich bereits ein unterstützenswerter Aufruf und Entwürfe auf verschiedenen Blogs der Fanszene (hier).
Informiert euch, organisiert euch, interveniert!

Gegen die geplannte Polizeiwache in der Gegengrade!

St. Pauli Fans planen Kranzniederlegung in Köln

„Am 17.09.12 gastiert der FC St. Pauli in der 2. Bundesliga beim 1. FC Köln. Die St. Pauli- Fanszene wird im Vorfeld des Spiels einen Kranz am Ehrenmal der Edelweißpiraten in Köln-Ehrenfeld niederlegen. (…) Die Aktion wird von der Fanszene des FC St. Pauli geplant und durchgeführt, wir würden uns aber natürlich trotzdem über zahlreiche Teilnehmer aus Köln und Umgebung freuen, die zusammen mit uns eine würdevolle und dennoch kämpferische Kundgebung veranstalten, die deutlich macht, dass es mal wieder an der Zeit ist, gegen den braunen Scum aufzustehen, im Stadion und überall!

Alerta Antifascista!“

Den kompletten Aufruf findet ihr auf der Homepage des St. Pauli Fanladens.

Neben der Kranzniederlegung wird es einen Erfahrungsbericht von Gertrud ‚Mucki‘ Koch (88) geben, einer Edelweißpiratin. Ihre Erlebnisse und Ideale sind für uns alle von großer Bedeutung und wir sind schwer begeistert, dass diese Aktion stattfindet und wir die Möglichkeit bekommen können daran teilzuhaben.

Wir als Teil der Fanszene des FC St. Pauli wollen uns natürlich auch an dieser Aktion beteiligen und möchten alle Personen um den magischen FC, die Fans des 1. FC Kölns, alle Kölner*innen und jene aus dem Umland und alle Interessierte dazu ermutigen an dieser Veranstaltung teilzunehmen.

In Zeiten der ökonomischen Krise, des erstarken von autoritären Strukturen und dem Ruf nach einem starkem Nationalstaat als Lösung für soziale Konflikte, der Ausgrenzung von Migrant*innen, der antisemitischen Hetze und der Verachtung von Homo*Transsexuellen Menschen, gilt es ein entgegenzustehen – im Stadion, im Alltag, jederzeit!
Die Losung kann nur lauten „… dass Auschwitz nicht noch einmal sei„!

SIAMO TUTTI ANTIFASCISTI!!!

Informationen über die Edelweißpirat*innen findet ihr u.a. hier.
Ein Interview mit Getrud ‚Mucki‘ Koch findet ihr hier.

Den Zeitpunkt der Veranstaltung findet ihr auf der Homepage des Fanladen.