POKAL-WOCHENENDE: Offenburg – FC St. Pauli (0-3)

Spielbericht Siamo Tutti FC St. Pauli: Offenburg – FC St. Pauli (0-3)

Für den münsteraner Teil der Gruppe wurde die Auswärtsfahrt zu einem Etappen-Erlebnis, angesichts der (nicht ganz unerheblichen) Distanz reisten diese schon früher nach Mainz um von dort aus Samstag nach Offenburg zu fahren.
So starten wir Donnerstag bereits und landeten am frühen Abend in Mainz, genauer in der „Obere Austraße“ einem neu geschaffenen Freiraum in Mainz. Die Besetzer*innen scheinen dort guter Dinge und so konnten wir uns entspannt in den Innenhof fletzen, dieses wirklich prächtigen Gebäudes und dem treiben bei netten Diskussionen zuschauen. Später gab es dann auch noch vegane Küfa (Küche für alle) und wir als Besucher*innen bekamen auch noch ein Eis. Bei der Nachttanzdemo vor einigen Tagen „Recht auf Stadt“ konnte man auch noch die wunderliche Presseblüten beobachten die der Sicherheitsdiskurs rund um den Fussball so treibt. So gab es wohl einige die Bengalen während der Demo zündeten und prompt sprach die Presse von einem, zwar insgesamt friedlichen Ablauf, aber die Ultras aus Mainz wären negativ aufgefallen durch das verwenden von Pyro-Technik. Schon nett wenn so ein Stereotyp dann einfach zieht (siehe: http://www.allgemeine-zeitung.de/nachrichten/polizei/12272956.htm). Besonders nett, dass sich diese Ultras laut Presse nur am Rande befanden und sie damit quasi auch aus dem politischen Protest exkludiert wurden. Vollkommen zu unrecht wie wir finden, denn die städtische Politik und auch die Raumplanung sind Themen die alle betreffen und auch ein Feld in denen Ultras agieren können und Teil der politischen Partizipation – die ja nicht nur im Stadion stattfinden kann, sondern auch im Alltag. Dies gilt natürlich auch im Umkehrschluss, politische Einstellungen werden nicht einfach mit der Karte am Eingang des Stadions abgerissen.
Der Freitag in Mainz wurde dann noch zu entspannen genutzt, genauer gesagt verschlug es uns nach „Raunheim“ an den Waldsee. Ein Baggerloch wofür man 1 € Eintritt bezahlt und es dann wirklich schön hat, u.a. mit aufblasbarem Hindernisparcour auf dem Wasser. Laut einigen Natives bezahlen Menschen der Spezies „Plane-Spotter“ den Euro auch gerne um die Flugzeuge beim Landeanflug nach Frankfurt zu beobachten.
Abends wurde sich dann mit dem ersten Teil aus Düsseldorf in der Au in Frankfurt getroffen zum 7secondes Konzert. Allerdings hatten wir uns unterschiedliche Pennplätze organisiert, so dass das Zusammentreffen nur von kurzer Dauer war, denn die Münsteraner Franktion musste bald ihren letzten Zug aus Rödelheim nach Mainz bekommen. Dort wurde bis spät in die Nacht noch eifrig an den Doppelhaltern ‚rum genäht, während wir das cineastische Meisterwerk „das goldene Kind“ mit Eddie Murphy schauten.
Nach einer viel zu kurzen Nacht ging es dann Morgens aus Mainz los, mit einer netten Überraschung. Am Hauptbahnhof trafen wir auf die Frauen und Männer von „Les sans goûts“, die augenscheinlich auch die Bimmelbahn nach Offenburg gebucht hatten. So starten wir mit einer coolen Truppe unseren Weg noch weiter in den Süden. Am Bahnhof mussten wir dann leider feststellen schon auf die ersten Nasen zu treffen, die auf dem Weg zur NPD-Kundgebung nach Koblenz gewesen sein dürften.
Im Zug verbreiteten „les sans goûts“ schon gut Stimmung und halfen über die morgentliche Tristesse hinweg. Einziger Wehrmutstropfen auf der Zugfahrt war, dass die Nachricht rein kam, das Düsseldorfer Auto steckt im Stau auf der A3 fest und die Ankuft in Offenburg konnte nun nicht mehr vorhergesagt werden. Zum Glück waren aber „les sans goûts“ auf die Fahrt gut vorbereitet und konnten uns mit „fun-facts“ über Offenburg wieder erheitern.
Für alle Offenburg-Fahrer*innen, habt ihr gewusst, dass Offenburg:

- sich als Keimzelle der Deutschen Verfassung sieht.
- Offenburg die Freiheitsstadt. Mit einer „Straße der Demokratie“
- Die Polizei-Station in einem ehemaligen Kaiserhof ist.
- Es eine Statue gibt die heißt „Freiheit: männlich / weiblich.

Mit diesen Informationen und den hard-facts über das „Karl-Heitz-Stadion“ freuten wir uns dann noch ein Stück mehr auf diese grandiose Auswärtsfahrt gen Offenburg und hatten jetzt sogar ein Repertoire an Sehenswürdigkeiten die wir noch mitbekommen wollten bevor wir das Stadion betreten. Welches laut magischer FC-Blogger ein wunderbarer Platz zum Trainspotten ist, evtl. zahlt dort ja auch die eine oder der andere mal den Eintritt für ein schönes Panorama-Foto.
In Offenburg angekommen wurden erstmal die Sachen verstaut und die Stadt begutachtet. Einige Offenburger*innen schienen überrascht über die Vielzahl an Personen die aus dem Zug in ihr doch beschauliches Städtchen strömten und schienen das Pokal-Event einfach verpennt zu haben. Sonst gibt es nicht viel zu berichten, das Sight-seeing hat sich gelohnt und Offenburger*innen präsentierten sich als äußerst sympathisch, so gab es vom Bauern auf dem Markt ordentlich Mirabellen gesponsort und les sans goûts haben auf ihre sympathische Weise vom DM-Laden oder Rossmann Wasserzerstäuber und Wasserpistolen bekommen mit denen sie die Reisegruppe und Passant*innen immer wieder mit kühlem Nass verzauberten! supérieur!
Am Stadion verteilte die Dorfjugend eifrig Stadionzeitschriften, namens „Herzblut“ und die Stimmung war wirklich gut und deutet auf einen äußerst entspannten Spieltag hin. Mittlerweile stand auch der Kontakt zum Düsseldorfer Auto wieder und so blieb eine Person erstmal draußen und wartete die Ankunft ab, während die anderen schon mal einen schönen Platz in der Nähe von USP reservieren sollten. Die wartende Person staunte nicht schlecht, als sie die anderen kurz darauf wiedersah, weil die Security und Polizei Stress schoben wegen angeblich zu großer Doppelhalter. Man entschied sich einen Teil dennoch rein zu schicken und die Doppelhalter mit Düsseldorf und den noch verbliebenen „les sans goûts“ ins Stadion zu schaffen. Vor Spielbeginn streunerten dann noch ein paar Dynamo Fans vorm Gästeblock rum, was die wollten, wissen die wohl auch selber nicht so genau. Kurz vor knapp kam dann das Auto aus Düsseldorf auch an und wir machten uns auf den Weg ins Stadion, den ersten security-klappstuhl passierten wir noch recht gemütlich, doch dann wurde uns der Weg versperrt, von weiteren security-Deppen. Während an den anderen Eingängen äußerst sympathische Fans die Ordner*innen Funktion übernahmen, mussten wir uns bei den hiesigen Securitys um die Mitnahme der Doppelhalter balgen. Groß waren Vorschläge wie „gebt die doch bei der Polizei ab, die passen darauf auf“ und verleiteten in diesem Moment nur zum Ausspruch vom Marc-Uwe Klings Känguru „ein Idiot in Uniform, bleibt immer noch ein Idiot“ (vgl.: Kling, Marc Uwe. Känguru-Chroniken). Nachdem der etwas besser gelaunte Chef dieser Deppen aufgetaucht ist kamen die Doppelhalter nun doch mit ‚rein, nachdem er sie pragmatisch einfach zerbrochen hat. Den Hinweis, dass flexible und dazu noch hohle Plastikstangen eigentlich keine Gefahr darstellen dürften, außer man zerbricht sie und schafft damit scharfe Kanten, quittierte er mit „der DFB hat nun mal die Vorgaben gemacht“. Danke!
Im Stadion fanden wir dann schnell nette Plätze und konnten uns endlich dem Genuss FC Sankt Pauli hingeben. Am Anfang wurde nochmal auf unsere Ausgesperrten hingewiesen und auch ein Spruchband machte auf die absurde Situation aufmerksam, dass einige aus dem Block jetzt nicht mehr ihren magischen FC aus selbigen sehen dürfen, u.a. da sie beim Schweinske Cup andere Menschen und Material vor den Übergriffen Lübecker Vollpfosten geschützt haben. Zu den Ereignissen beim Schweinske Cup, so wie dem unabhängigen Bericht ist ein sehr empfehlenswerter Bericht in der Basch Ausgabe #16, dem wir nur beipflichten können.
Zum Spiel bleibt zu berichten, dass der 1. Runde-Fluch zerschlagen wurde. Obwohl wir diesen Sieg natürlich ausgiebig gefeiert haben, verließen wir Offenburg später mit gemischten Gefühlen. Einmal trauerten ein paar von uns dem Mythos nach, man würde „Underdogs“ weiterkommen lassen, damit die ihren Vereins-Etat in einem Spiel ‚rein holen und mit Offenburg hatten wir einen sehr sympathischen Gegner, dem man dies hätte gönnen können. Andererseits und das waren die größeren Bedenken, wurde nun doch ein Pokal-Trikot präsentiert, welches einiger Kritik bedarf.
Einerseits ist dies wieder eine Marketing-Strategie noch mehr Shirts unter die Leute zu bringen, die bei uns intuitiv erstmal kritikwürdig erscheint, andererseits wird sich hier an einem Pokal-Myhtos bedient, der auch ganz schnell in der 2. Runde enden kann (ohne jetzt total negative Vorzeichen kolportieren zu wollen). Ach und noch eine Anmerkung als Ästhet: Schön sind die wirklich auch nicht!
Trotz der Hitze spielten die Kiez-Kicker wirklich schönen Fußball, auch wenn es ein – zweimal auch wirklich brenzlig gewesen ist. Vor allem defensiv fand ich die Offenburger nicht schlecht aufgestellt, außerdem zeigten sie sich auch neben dem Spiel von ihrer sympathischen Seite, der Keaper winkte vor der 2. Hälfte noch in den Block und zeigte Daumen hoch für die Fans des FC St. Pauli und war spielerisch auch eine Hausnummer.
Nur einmal rasselte ein Offenburger mit Philipp Tschauner zusammen, der nicht nur ein sehr guter letzter Mann ist, sondern augenscheinlich auch derb klarmachen kann wer das sagen hat im 16-Meter-Raum des FC St. Pauli.
Die Treffer von Saglik waren natürlich an diesem Tag Zucker (oder besser Eis-Creme?)und der Abschluss-Treffer von Ginczek einfach das Sahne-Häubchen für den Tag.
Der Support war in anbetracht der Hitze ganz okay. Die neueren Lieder ziehen Auswärts scheinbar noch nicht so sehr, wobei das Publikum auch teilweise einige negativ Überraschungen bereithielt, so waren Beschimpfungen zu hören, die wir so nicht akzeptieren können und wollen und wer dann nach einer Ansage beleidigt geht, hat halt Pech gehabt und muss dann nicht nach dem Spiel noch einmal mit Freunden kommen und lamentieren. Sexismus, Homophobie und Rassismus haben in einer Kurve des magischen FC, eigentlich in keinem Stadion und sonst wo, nichts verloren und wenn du das nicht raffst – get lost!
Schön waren auf alle Fälle die vielen Doppelhalter beim support und das die Menschen rund um den FC Humor beweisen können und auch 2 Laolas freudig mitmachen (auch wenn das ja eigentlich nicht sooo zu unserem Repertoire gehört). Wir waren jedenfalls auch mächtig Stolz auf unsere Doppelhalter, wovon einer zeigte das „siamo tutti“ für die Verbindung vom support des magischen FC besteht zusammen mit einem konsequenten Antifaschismus und der andere Doppelhalter Genesungswünsche an Walter Frosch überliefern sollte.
Schön war auch die Bereitstellung von Wasser durch die Feuerwehr, die es immer wieder in den Block regnen ließ und für Hamburger Atmosphäre sorgte. Aber auch an die vielen Helfer*innen aus der Fan-Szene die mit Eimern und Bechern nicht nur die Capos mit kühlem Nass versorgten, sondern auch die Kurve konstant vor dem Hitzeschlag bewahrten.
An eigenen Stellen hackte der support dann hitzebedingt und die Leute ergaben sich irgendwann in das Rauschmittel-Lied-Repertoire, da mehrheitlich straight-edger mit uns unterwegs waren, traf dies nicht nur auf Gegenliebe und wurde humoristisch damit quittiert, dass unsere Doppelhalter zum „X“ umgestaltet wurden.
Dann kam der Moment der Verabschiedung und die Mannschaft nahm sich das Diffidati- Spruchband mit aufs Feld und diese Geste war echt bemerkenswert und wir freuen uns sehr darüber, dass die Mannschaft sich an dieser Stelle einmal so klar positioniert hat. Dieser Zustand, dass einige der aktivsten Personen aus der Fanszene die Spiele aufgrund des enormen Sicherheits- und Kontrollwahn nicht miterleben konnten ist für uns unverständlich und kaum hinnehmbar.
Solidarität mit den Ausgesperrten des FC St. Pauli.

Unsere Gruppe teilte sich dann vor dem Stadion auch und der Düsseldorfer Teil machte sich mit unseren Materialien auf den Heimweg, während wir mit „les sans goûts“ noch durch die Stadt schlenderten und später dann die Heimreise im Zug antraten. Im Zug erheiterte uns noch das Stadionheft über die lange Fahrt, wusstet ihr, dass die Vereinsfarben von Sankt Pauli eigentlich „schwarz und braun“ sind und die bekannteste Band die sich als Fans bekennt „die toten Hosen“ sind? (liefen die deswegen eigentlich so häufig im Stadion?) Und noch ein Fun-Fact Schäuble ist Vereinsmitglied beim OFV.

Abends konnte man dann in Münster noch eine Antifa-Party in der Baracke besuchen zur Mobi nach Dortmund – also wer am 01. September nicht das Glück hat eine Karte für das Heimspiel zu bekommen, don‘t be a maybe – be in Dortmund. Danach schlichen wir uns zur wohlverdienten Ruhe.

Pokalspiel in Münster.
Das Pokalwochenende war an dieser Stelle allerdings noch nicht vorbei, einige von uns verschlug es noch zum Pokalspiel vom SC Preußen Münster gegen den SV Werder Bremen (4 – 2 n.V.). Wer bei Pflichtspielen des SC Preußen Münster vorbeischaut sollte sich auf alle Fälle im Sektor M wohlfühlen. Dieser ist nämlich der Sitz der Gruppe Deviants, die einen wunderbaren Support-Stil haben und hinzu noch wirklich nette Menschen sind. Bei Spielen wie gegen Werder Bremen, haben sie natürlich ein volles Haus und müssen sich notgedrungen mit „einmal-im-Jahr-wenn-überhaupt-Spiele-Gucker*innen“ plagen. Aber ihre Einlauf-Choreo und der durchgehende und fetzige Support über 120 Minuten bei 37 Grad haben mich schwer beeindruckt. Neben der Choreo gab es von den Deviants (zusehen hier) und den Ultras von Bremen noch Soli-Tapetten nach Aachen für ACU – super Aktion, thumbs up!
Die im Bock O versammelten Münster-“Fans“ haben auf jedenfall die niveaulos Tabelle angeführt. Eine Tapette, wohl gegen die angereisten Bremer*innen gerichtet, besagte „gegen Sexismus und Homophobie“ und konnte nicht auf einen beleidigenden Zusatz der genau in diese Kerbe schlug verzichten und das gezeigte soll hier nicht mal in Schriftform dokumentiert werden (further Information: fussball von links hier). Es ist schon schade wenn eine solche Tapette von einem Großteil der Zuschauer*innen unkommentiert bleibt, in einer Stadt die sich als Weltoffen präsentiert. Match-Winner war auf jedenfall Matthew Taylor, der direkt 3 Dinger in den Bremer Kasten schob. Preußen Münster hat auf jedenfall das Potential zum Angst-Gegner! Wir wünschen dem SC Preußen Münster und den Deviants natürlich auch das sie auf Europapokal-Kurs bleiben!
Gefreut hat uns an diesem schönen Tag natürlich auch, dass die Rot-Hosen beim KSC hoch-rote Köpfe bekamen, da sie sich kleinlaut und geschlagen vom Platz schleichen mussten.

Das beste zum Schluss:

Diffidati con noi!
Herzlichen Dank und bis bald an
les sans goûts!